Heute schon gehustet?

Der Pariser Januar wurde, ganz im Gegensatz zum April, zu Recht noch nie besungen. Die Sänger sind sowieso heiser. Im Winter leidet die Stadt der Liebe und Leichtigkeit chronisch an grippalen Infekten. Raucher frieren auf zugigen Caféterrassen, während der Heizstrahler von oben ihren Kopf glühen lässt. Die Demoiselles in ihren pantoffelähnlichen Flachstiefeln tragen Wollhandschuhe mit abgeschnittenen Fingern und haben ihre Anmut mit den Frühlingskleidern eingemottet. Wenn es regnet, stehen die Pfützen so hoch, dass kein Schuh trocken bleibt, und wenn es friert oder sogar schneit, werden die Parks wegen Rutschgefahr geschlossen. Oui, es gibt schönere Tage in Paris.

Nur die Krankheitserreger erfreuen sich bester Bedingungen. Nirgendwo hört man mehr Schniefen und Husten als im Pariser Januar. Eine Fahrt mit der Metro gleicht einem Aufenthalt in einem bakteriologisch verseuchten Versuchslabor. Keiner scheint seine Erkältung zu Hause auszukurieren. Das hat seine Gründe: Einem Arbeitnehmer, der sich krank meldet, werden die ersten drei Fehltage kurzerhand vom Lohn abgezogen – auch, wenn der Arzt ein Attest schreibt. Das können sich viele nicht leisten, gehen weiter ins Büro und stecken die Kollegen an.

Auch kränkelnde Kinder werden mit Zäpfchen vom Fieber befreit und in die Krippen und Schulen geschickt. Die zwangsläufigen Epidemien trägt man mit Fassung. Man kann nicht sagen, dass der Français ein Jammerlappen sei. Und außerdem: Eine aparte Schwindsüchtigkeit gehört ja gewissermaßen zum Pariser Leben. Wir sind hier nicht in Oberbayern, wo's alleweil pfundig zugeht. Was wäre La Bohème ohne eine künstlerisch interessante Ausgezehrtheit? Wie eiskalt ist dies Händchen ... Ach, ich fühle mich schon seit gestern gar nicht so gut. Ein wenig Fieber, Husten. Das ist der Januar in Paris.

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