Endlich geschlossen

Der Heilige Abend naht, und die Gesichtszüge des Gatten entspannen sich zusehends. Es ist weniger die spirituelle Erwartung, würde ich vermuten. Es ist die Erleichterung darüber, dass die 1000 bunten Düsseldorfer Geschäfte endlich mal für zweieinhalb Tage geschlossen sind. „Magst du ein bisschen spazieren gehen?“ fragt er, sehr freundlich. Denn er muss ja nicht befürchten, dass ich nach kurzem Windschnuppern am Rhein („Ziemlich ungemütlich, oder?“) schon wieder zur nächsten Boutique strebe. Ja, da unten, in unserem Allgäuer Leben, wurde der Meine nur begrenzt mit den Herausforderungen des Einzelhandels konfrontiert. Alltags verschanzte er sich in der ländlichen Festung seines Büros, wo es viele Jahre lang außer einem Automaten mit zähen Wurstsemmeln keine bestechende Möglichkeit gab, Geld auszugeben. Selbst ich habe dort gespart. Samstags ging man einkaufen – nach beruhigend festen Regeln. Am Stadtrand lagen Supermarkt und Baumarkt mit jeweils großem Parkplatz und einem Alles-da-Angebot. Und im historischen Stadtkern kreisten meine Freundin Karin und ich ein bisschen zwischen Frau Schneiders Blumenladen und den guten Blusen an der Herrenstraße hinten, während unsere Männer bereits in der Mohrenpost unbehelligt den Mittagscafé tranken. Alles ziemlich übersichtlich. Das ist jetzt vorbei. Die Nach-Umzugs- und Vorweihnachtsbesorgungen haben uns ein paar Mal an den Rand von Scheidungsverhandlungen geführt. Wer hätte aber auch gedacht, dass in einem quicklebendigen Viertel wie Oberkassel zwar reichlich Designersofas, Kaschmirschals und Sushi to go zu kaufen sind (das Angebot wurde von mir wiederholt hingebungsvoll recherchiert), aber keine Dinge des praktischen Bedarfs. Die richtigen Staubsaugerbeutel gibt es nur in der City – unten im Kaufhof hinter den Pfannen. Für Dichtungsklebeband (die Altbaufenster schließen nicht) und Badezimmerhaken sind wir nach einigem Umherirren nach Unterrath gelangt, wo wir eine trostlose Filiale des in der Provinz so prallen Baumarkts fanden. Immerhin erwarb ich dort auch Stanley, eine dürre Stehlampe für 59,99 Euro, die nun unstandesgemäßes Licht ins Dunkel meines Oberkasseler Home-Office bringt. Am Abend dieses Tages, an dem wir erst nach langem Kreisen zu Hause wieder einen Parkplatz, war der Gatte ungnädig. „Ich bin erschöpft“, bemerkte er. Wie schön, dass jetzt Weihnachten ist.  

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Glosse

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Portrait

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