Du meckerst ja gar nicht

Der Düsseldorfer kann ja so charmant sein. Aber auch ungnädig, das hatte ich ganz vergessen. Wenn wir, gewöhnt an die unendlichen Weiten eines Allgäuer Landsupermarkts, in der zierlich geschnittenen City-Filiale auf der Jagd nach Milch und Eiern den Einkaufswagen quer stehenlassen, wird unverzüglich geschubst und gezetert. Im Prä-Silvester-Rummel hat uns eine gehobene Oberkasseler Pelzkragen-Dame angeknurrt wie ein hungriger Terrier. Knurren im Rummel ist sicher auch für Damen ein artgerechtes Stadtneurotiker-Verhalten. Aber wir reagieren noch etwas verstört, weil wir an das schicksalsergebene Schweigen der Schwaben in Warteschlangen gewöhnt sind. Meckern ist in den Kleinstädten des Südwestens ebenso verpönt wie Scherzen, beides gilt irgendwie als unanständig – und riskant. Wer im Einklang mit dem lieben Gott, dem Bürgermeister, der Kirche und den Vereinskameraden leben will, der beschwört vorsichtshalber das Gute. Vielleicht hat mich das doch mehr beeinflusst, als ich dachte. Denn ich finde vieles toll, was der Düsseldorfer verachtet. Sogar den Schwabenweihnachtsmarkt auf dem Schadowplatz. Jetzt, da alles vorüber ist, kann ich’s ja sagen. Die erstmals von einer Stuttgarter Agentur organisierten schlicht-modernen Holzhütten mit ihren weißen Dächern und klaren Linien fand ich wesentlich geschmackvoller als die kitschige Gemütlichkeit, die wir zuvor zwischen Poffertjes und Schaffelldecken verbreitet haben. Pardon! Und, obgleich der Tausendfüßler mit seinem Nachkriegs-Schwung auch zu meinen lieben Jugenderinnerungen gehört, bedaure ich den Abriss nicht. Da wurde Platz für Neues geschaffen. Ich liebe den Kö-Bogen! Die anmutige Wellenarchitektur von Daniel Libeskind ist eine Bereicherung für die Innenstadt und wirkt, vom Hofgarten aus betrachtet, mit dem alten Dreischeiben-Haus im Hintergrund, einfach überwältigend. Tja, liebe Mitbürger, und wie es da drin aussieht, das ist auch nicht zu verachten. An der Eleganz und Höflichkeit des Personals im schwäbischen Luxus-Kaufhaus Breuninger kann sich so manche schnippische Boutiquenhoheit mal ein Beispiel nehmen. Sogar mein Gatte, der Shopping-Allergiker, ließ sich dort überreden, ein paar lässig-feine Sonderangebotshosen anzuprobieren. Nachher tranken wir beim Italiener an der Ecke ein prickelndes Gläschen Prosecco und freuten uns des Düsseldorfer Lebens.

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