Immer schick

Jetzt kommen wir zu einem heiklen Thema: Sind die Düsseldorfer wirklich solche Modefuzzis, wie der Rest der Welt reflexartig behauptet? Erst jüngst höhnte das Online-Portal der Süddeutschen, dass der Düsseldorfer das Klischee von sich selbst übererfülle, aber auf dem Stand der Achtzigerjahre stehengeblieben sei. Der typische Düsseldorfer Mann, befand der Reporter, trage rosa Poloshirts und stelle den Kragen hoch, die Frau werde mit Perlenohrringen geboren, und immer noch zierten kleine Bommel die Slipper. Ja mei, das waren wahrscheinlich Münchner auf Besuch, die im Riesenrad vor dem Schlossturm die VIP-Gondel buchen. Ich sehe hier im Alltag zwar die eine oder andere Luxusblondine mit Louis-Vuitton-Hündchen (so nenne ich diese zitternden Rassekläffer, die wie eine Marken-Handtasche getragen werden), aber die wahrhaft schicke Düsseldorferin bevorzugt eine unaufgeregte Eleganz: Kaschmirrolli, Retro-Brille aus London, kaum Schmuck. Der Pelzkragen an der sandfarbenen Steppjacke ist allerdings Fuchs statt Plüsch. Oder zumindest Plüsch, der wie Fuchs aussieht. Alles Billige und Bunte ist verpönt. Das macht mich manchmal nervös. Als ich neulich versehentlich zur Blue Jeans meine alten Leo-Stiefeletten und einen roten Kuschelmantel und einen furchtbar lustigen Bommelschal trug, fühlte ich mich urplötzlich wie Mrs. Geschmacksverirrung zwischen den grauseidenen Edelrentnern, die am Nachmittag in meinem Lieblingscafé ein Gläschen Silvaner schlürfen, die internationalen Business-Youngsters in ihren blaugestreiften Hemden dezent verachtend. Ja, diese Art von Düsseldorfer Nonchalance muss ich erst wieder üben. Das Thema Mode war in meiner langjährigen Allgäuer Heimat, sagen wir mal, nicht so dominant. Es gibt dort zwar einige gehobene Boutiquen und teuer gekleidete Damen, aber eine bodenständige Mehrheit bevorzugt in der Wintersaison den rot-schwarzen Allwetteranorak. Dazu trägt man die Irgendwie-warme-Ohren-Mütze und vor allem den schneefesten Plastikstiefel. Nie habe ich gezögert, im Jogginganzug noch schnell einkaufen zu gehen. Nun überlege ich, was ich anziehe. Bin eben ein Modefuzzi aus Düsseldorf.

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Lebensart

Spieglein, Spieglein ... Hallo, Sie da, zeigen Sie sich mal! Die Zeiten der vornehmen Zurückhaltung sind passé.
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Reise

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Ganz schön aufgetakelt Diese Sportler denken immer nur an das Eine. „Kann ich denn da laufen“,
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Glosse

Eher still Kürzlich beschwerte sich eine Leserin, dass wir an dieser Stelle immer nur über das Leben verheirateter Menschen zu berichten hätten.
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Boutiquenzwang Es soll ja Frauen geben, die das Einkaufen hassen.
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Portrait

Das Mädchen und die Macker Werte Herren, entspannen Sie sich! Attacken auf Alice Schwarzer,
Auch die Kunst braucht einen Macher Er ist Schlossherr in Mochental. Dort, auf dem grünen Hügel bei Ehingen,
Immer nur lächeln Man kann die Geschichte des Hoteliers Hermann Bareiss nicht erzählen
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